Die Produktionen von
www.schwulfernsehen.de
Aktuelles &
Termine
Adresse &
Impressum
 

Andreas Weiß 
(Filmemacher+Lebenskünstler)

 

geb. 4.1.1968 in Wolfenbüttel (Niedersachsen)

Sternzeichen: Steinbock

Schule bis kurz vorm Abitur, dann bewußt abgebrochen

Zivildienst, keine Berufsausbildung

 

1983-1986

erstes Filmprojekt, (auf Super-8 gedreht)


(Foto vom Januar 2016,
Fotografin: Claudia Kristine Schmidt )


(Foto aus dem Jahr 2001,
Fotograf: Robert Miehle )

1986-1988

Erste Versuche als Autor von Gedichten, Kurzgeschichten, Serien-Drehbüchern,

Mitarbeit im Verein "Charlie&Co", der in der Kleinstadt Wolfenbüttel das "etwas andere Kino" präsentierte

1988

Coming-Out,
 während dieser Zeit entsteht das in Versform gehaltene Drama DEMASKIERUNG
um das Coming-Out eines schwulen Märchenprinzen

1988-89

erste Videofilme mit schwulen Themen

1990

Gründung des Vereines KOMMUNIKULTUR e.V in Braunschweig

(Ein weiteres Gründungsmitglied des Vereins ist übrigens Michael Kluckas, der später in mehreren Serien-Produktionen mitwirkt, u.a. als Hausmeister im Kulturbüro Traumtänzer.)

 

1990
Umzug nach Berlin,

Gründung und Leitung der Theatergruppe DEMASKIERUNG
( Einige Mitwirkende der Gruppe erscheinen später auch in den Video-Produktionen von A.W., u.a. Angela Rosin-Hilley, 
Andrea Pape, Andrea Paulus-Wellmann und Michel )


1991 - 2008
Realisation zahlreicher Video- bzw. Fernseh-Produktionen (s.u.).

Außerdem:
Tätigkeiten als Kameramann&Co-Regisseur 
beim Schauspielworkshop "8*12" von Sonya Martin ,
sowie Realisation kleinerer Auftragsarbeiten 
wie z.B. Imagefilme und  Bewerbungsvideos.
Darüber hinaus Organisation zahlreicher Kultur-Veranstaltungen für den Verein Kommunikultur e.V., z.B. das FILMCHENFEST PRENZL.BERG, ein Amateurfilmfestival (Februar/März 2007)


(Foto aus dem Jahr 2001,
Fotograf: Robert Miehle) 

2009
Am 2.Januar 2009 errichtete Andreas Weiß die "Stiftung SCHWULFERNSEHEN". Nahezu alle von ihm in 25 Jahren (von 1983 bis 2008) geschaffenen Film- und Videoproduktionen gingen an diesem Tag in das Eigentum dieser Treuhand-Stiftung über, die in Zukunft für die Pflege und den Erhalt sowie die Veröffentlichung der Werke sorgt.

2011
Tätigkeit als freier Autor, Entwicklung von Drehbuchideen und Schreiben von Drehbüchern. Unter anderem entsteht ein Konzept für eine großangelegte Familiensaga mit dem Titel "Das Haus der Familie Silberwein".

2012/2013
Gemeinsam mit zwei Autoren-Kolleginnen Arbeit an einem Theaterstück über die Bewohner eines Altenheimes, Arbeitstitel: Abendrot.

2014/2015
  Schnitt des Spielfilmprojektes "M46" und mehrerer Kurzfilme der Filmemacherin Lorna Johannsen, u.a.:
Ariel, Hüter des Hauses, Ein Zwerg und zwei Kinder, Interview mit einer Mistel, Steckbrief: Krähe
und "Muß ein Herrenwäscheverkäufer homosexuell sein?"

2016
Schnitt des Kurzfilms "RAUMkosmetik", der unter der Regie von Alexander Baier (Darsteller in Berlin Boheme und Sonntagsmänner) entstand.

 

(Foto vom September 2008, Fotograf: Frank Sandmann)


DIE PRODUKTIONEN  VON ANDREAS WEIß
DER JAHRE 1983 BIS 2009 IM ÜBERBLICK

(Wenn nicht anders angegeben sind, hat Andreas Weiß bei seinen Produktionen alle Tätigkeiten
(außer der Mitwirkung als Schauspieler/Darsteller) selber übernommen ,d.h. Entwicklung von Idee und Konzept, Drehbuch, Casting, Produktion, Kamera, Regie, Schnitt, Öffentlichkeitsarbeit etc.
Andreas Weiß hat auch - vor allem für die Serien TraumTänzer und MontagsKinder -
 einige Szenenfotos gemacht.)

 

1983-1986 :  „WOLFENBÜTTEL“
Serien-Parodie , nicht als Video, sondern auf Super-8-Material gedreht 
(mit Familienmitgliedern und Freunden in den Hauptrollen)

1988-1989 : HENRYS ZIMMER und DER ACHTUNDZWANZIGSTE HERBST
2 Videospielfilme à 60 min , mit schwulem Inhalt

1989 : MONTAGSKINDER (Urfassung der Serie) 
(es entstand nur eine auf VHS gedrehte 30-minütige Pilotfolge, 
danach wurden die Dreharbeiten nicht mehr fortgesetzt.
Die 1995 entstandene Serie hatte dann mit dieser
Urfolge außer dem Titel nicht mehr viel gemeinsam. )

1991 - 1993 : LICHT UND SCHATTEN
(61 Folgen à 30 min) 
Die 1.schwul-lesbische Drama-Serie Deutschlands

1994 : TRAUMTÄNZER -DAS KULTURBÜRO
(27 Folgen à 30 min)

1994 PERMANENT MAKE UP
Imagevideo für Friseurin Wittke, 10 min 
(hier: Kamera, Regie, Schnitt) (Auftragsarbeit)

1994/1995 : HOLA BERLIN 
(6 Ausgaben à 45 min) Spanisch-sprachiges Kultur-Magazin
(hier: Kamera, Regie, Schnitt)
(Moderatorin: Leonora Düker (Gastrolle in TraumTänzer))

 

Februar 1995 – Januar 1996 :  MONTAGSKINDER
(55 Folgen à 25 min)

Juni 1995 : HANDWERKER
pornographischer Kurzfilm, 10 min 
(Darsteller: Hanno Ehrler (Fotograf und Gastrolle in MontagsKinder))

Juli 1995 : IRIS MILEWSKI
Bewerbungsvideo, 5 min
(hier: Kamera, Regie, Schnitt) (Auftragsarbeit)

März – Juli 1996 : DAVID - Das schwule Fernsehmagazin
(6 Ausgaben à 25 min) 

 

Dezember 1996 – Mai 1997 : MONTAGSGESCHICHTEN
(30 Folgen à 30 min)
(Am Drehbuch einiger Episoden haben Darsteller mitgewirkt, u.a. Rainer Hillebrecht)

 

November 1997
MATERIAL FÜR DEN BEITRAG „HOMOSEXUELLER MONTAG IM FILMRISS FRIEDRICHSHAIN“
Kurzfilm, 10 min (Hauptrolle: Yvonne Haß, in einer Gastrolle: Moni Luzi Beyer )

 

Januar – April 1998 : VON MANN ZU MANN
(12 Folgen à 30 min) Erste schwule Erotik-Serie im deutschen TV

Februar 1999 : DIE MONTAGSPRODUKTIONEN
Dokumentation über die Serien MK und MG (Länge: 5 Stunden)

Dezember 1999 – März 2000 : BERLIN BOHÈME
(1.Staffel mit 11 Folgen à 24 min)
( Am Drehbuch zu 3 Episoden hat Rainer Hillebrecht mitgewirkt)

Juni - August 2001 : VIDEOPROJEKT X
Dokumentar-Pornographisches Video
(auf DVD als "Männer 2" erschienen)

September 2002 – Februar 2003 : BERLIN BOHÈME
(2.Staffel mit 21 Folgen à 24 min)
( Am Drehbuch hat Marcus Lachmann mitgewirkt, 
für den Schnitt war hauptsächlich Christian Vögeli verantwortlich)

April 2004  : BERLIN BOHÈME
(3.Staffel mit 5 Folgen à 24 min)
( Zahlreiche Drehbuchautoren und Regisseure haben mitgewirkt.)

März 2005 : 8 MAL 12 BERLIN
(Camera-Acting-Workshop für 8 SchauspielerInnen)
(hier: Kamera, Schnitt, Co-Regie) (Leitung und Regie: Sonya Martin)

April 2005 : MÄNNER - BEIM SEX BEOBACHTET
Dokumentar-Pornographisches Video

August - November 2005  : BERLIN BOHÈME
(4.Staffel mit 16 Folgen à 24 min)
( Zahlreiche Drehbuchautoren und Regisseure haben mitgewirkt.)

März 2007 : DER WAHNSINN UND SEIN EGO
(Kurzfilm mit Alexander Baier und Timo Lewandovsky)
(hier: Kamera & Schnitt) (Regie: Michael Ritz)

August/September  2007 : SCHAUSPIELERVIDEOS
Demo-Erstellung für mehrere SchauspielerInnen, u.a. Lisa Wenzel und Natalie Korobenik
(Auftragsarbeiten)

Oktober/November 2007: MÄNNER - BEIM SEX BEOBACHTET
Dokumentar-Pornographisches Video (weitere Produktion der Reihe)

Mai - Dezember 2008  : SONNTAGSMÄNNER
(Erotiksoap mit 20 Folgen à 30 min)
( Zahlreiche Drehbuchautoren haben mitgewirkt.)

November 2009: MÄNNER - BEIM SEX BEOBACHTET
Dokumentar-Pornographisches Video (vorerst letzter Teil der Reihe)


 

Foto: R.O.B.
"Andreas Weiß bei Dreharbeiten zu  VON MANN ZU MANN (1998)"


Über sich selbst sagt Andreas Weiß:

"Ich bin ein typischer Steinbock: stur, zäh, ausdauernd und widerstandsfähig; ich stürze lieber vom steilen Felsen in den Abgrund, als einen Schritt zurückzuweichen. Auch meine manchmal krassen Ansichten - Ablehnung von Konsum und Luxus, alles muß einfach, praktisch und realitätsnah sein, haben sicher was mit meinem Sternzeichen zu tun!
Eine meiner Hauptantriebsmotivationen ist wohl Trotz, ein "Jetzt erst recht!"-Gefühl, weshalb ich Rückschläge und Mißerfolge ganz gut wegstecken kann und dann gerade weitermache!"

Und über seine Serien-Produktionen: 

„Meine Serien sind die ersten schwulen Soaps in Deutschland! Sie unterscheiden sich insofern von herkömmlichen Soaps, daß es nicht nur ein oder zwei Alibi-Klischee-Homos gibt, sondern die unterschiedlichsten schwulen Charaktere,  mit einer ganzen Bandbreite mehr oder weniger alltäglicher Thematiken.  Gerade diese Spezialisierung auf die "Randgruppen-Thematik" Schwule ist für viele der (ohne Gage arbeitenden!) Darsteller auch die wesentliche Motivation für die Mitwirkung: Die Möglichkeit, ein Spiegelbild der schwulen Lebensweisen zu schaffen, wie sie gerade in Großstädten wie Berlin gelebt werden, aber in den großen "professionellen" Unterhaltungsserien kaum Erwähnung finden,  und wenn doch, dann nur auf "auch dabei" reduziert.  Viele Fans und Zuschauer haben auch durch ihren überwiegend positiven Zuspruch zu den Produktionen deutlich gemacht, wie sehr der Wunsch nach Identifikationsmöglichkeiten mit schwulen TV-Figuren vorhanden ist: So erreichen mich immer wieder Anrufe von jungen Schwulen (die gerade vor oder während des Coming-Outs sind) und über das (anonyme Massenmedium) TV erstmals mit der schwulen Welt in Berührung kommen. Diese Zuschauer können sich in den Protagonisten meiner Produktionen wiedererkennen, sehen eigene Sehnsüchte und Probleme im TV aufgegriffen und kommen letztendlich zu der Erkenntnis : Ich bin nicht der einzige Schwule auf der Welt!“

 
Dreharbeiten zu BERLIN BOHÈME Staffel 2 (2002)
(Foto: Michael Rost)

 Presseveröffentlichungen über Andreas Weiß:

BOX Nr.129 (Ausgabe Nord-Ost), Februar 2004
(Das in der BOX veröffentlichte,zweiseitige Interview mit Andreas Weiß liegt im PDF-Format vor 
und kann mit dem Acrobat-Reader geöffnet werden!)

Interview mit Andreas Weiß Teil 1 (PDF-Format)

Interview mit Andreas Weiß Teil 2 (PDF-Format)

---------------------------------------------------------------------------------------------

 

FAZ  (Berlin-Seiten) 29.September 2001 Autorin:  Stefanie Flamm

Die Perspektive ändern - Andreas Weiß, Seifenopernlibrettist

Als Jugendlicher war ich fernsehsüchtig. Ich habe alles geguckt, Dallas, Denver Clan, Falcon Crest, die ganzen Seifenopern, fünfzehn Stunden am Tag. Das war während meines Coming-outs. Ich lebte damals noch in Wolfenbüttel und habe gemerkt, daß ich als Schwuler in einer Kleinstadt nicht frei sein kann. Jahrelang habe ich mein eigenes Leben deshalb einfach ausgeblendet und mich mit Serienfiguren identifiziert. Daß ich nach dem Mauerfall nach Berlin gehen würde, war für mich einfach klar. Ich dachte, jetzt ist die Stadt noch größer, da gibt es ein ungeheures Potential an Möglichkeiten. In Berlin habe ich dann beschlossen, mich nur noch mit Dingen zu beschäftigen, die mir wirklich Spaß machen. Zuerst habe ich eine Theatergruppe gegründet und versucht, ein eigenes Stück auf die Beine zu stellen. Darin ging es um das Coming-out eines schwulen Prinzen. Die Schauspieler hatte ich mir zusammengesucht, über Aushänge und Kleinanzeigen. Leider gab es unter den Mitwirkenden aber eine ständige Fluktuation, wir mußten ständig die Rollen neu besetzen. Nach einem Jahr habe ich dann begriffen, daß es zu schwierig ist, mit einer Laiengruppe kontinuierlich an einer Sache zu arbeiten.

Seit zehn Jahren produziere ich Seifenopern , was verschiedene Gründe hat. Zum einen gab es in Berlin damals schon den offenen Kanal. Zum anderen war mir schnell klar, daß ich ohne mich von jemandem abhängig zu machen auf dem Kurz- oder Spielfilmsektor nicht konkurrenzfähig sein kann. Deshalb habe ich mich für das Genre Soap entschlossen, da geht es um Masse statt Klasse. Seifenoper ist ja: Zwei Leute sitzen auf dem Sofa und sprechen einen Text. Da braucht man keine Tricks. Da lernt man aus den Fehlern der letzten Episode. Außerdem war ich ja selber Serienfan und habe mich ja immer über das Homo-Bild, das dort verbreitet wird, geärgert. Mein Anliegen ist es, nicht nur die gutverdienenden Yuppy-Homos zu zeigen, die zwar schwul oder lesbisch sind, aber ihren gutbürgerlichen Job haben und anerkannter Teil der Gesellschaft sind. Gerade hier in Berlin, da sehe ich, daß es Leute gibt, die sich mit Jobs durchschlagen, die arbeitslos sind, von Sozialhilfe leben. Da sind natürlich auch viele Schwule und Lesben dabei.

Meine erste große Produktion "Licht und Schatten" hatte noch gar kein Drehbuch. Die Leute haben einfach nach einer groben Vorgabe frei improvisiert. Das war 1991. Es ging um Menschen, die in einem Haus zusammen wohnen, ganz ähnlich wie bei "Lindenstraße". Gedreht haben wir immer in den Wohnungen der Mitwirkenden. Das, was die von sich aus mitbrachten, ihre Wohnungen, ihren Kleidungsstil, wurde in die Produktion integriert. Die Leute spielen in meiner Arbeit immer ein Stück weit sich selbst. Ich suche mir Menschen, mit denen ich arbeiten will, und schreibe denen Rollen auf den Leib. Das macht das ganze realistischer. Daß jemand sich in dieser Rolle nicht wohl fühlt, kommt nur ganz selten vor. Einmal hat sich jemand geweigert, einen Mörder zu spielen. Seiner Meinung paßte das nicht in eine schwule Sendung, die für Toleranz und Akzeptanz werben sollte.

Natürlich habe ich immer erotische Elemente in den Beiträgen. Sie bieten dem "normalen" Zuschauer einen Anlaß, dranzubleiben. Das kann man mir natürlich zum Vorwurf machen. Aber ich habe auch viele andere Elemente. In "Berlin Bohème", die wir letztes Jahr produziert haben, ist die tragende Figur eine Tunte, die aber eben nicht die übliche Bühnentrine ist, die sich abends in einen Fummel schmeißt, sondern ganz normal im Alltag ein Kleid trägt, sich schminkt und auch dazu steht. Diese Tunte wird in einer Episode von Faschos zusammengeschlagen. Aber es war mir wichtig, daß wir nicht in die Klischees vom Schwulen als Opfer verfallen. Bei mir versucht sie, oder er, sich zu rächen. Da habe ich auch von vielen Schwulen Kritik bekommen. Wir würden so etwas nicht machen! Aber das ist Unfug. Es gibt auch solche. In "Montagsgeschichten" gibt es einen Schwulen, der ein Alkoholproblem hat und mit seinem Freund eine Kampf- und Krampfbeziehung lebt. Ich versuche Figuren in Beziehungsformen zu zeigen, die zumindest im Fernsehen nicht üblich sind.

Meine Sachen laufen inzwischen in vielen offenen Kanälen, in Berlin wieder ab dem 1.November. Besonders von Leuten, die gerade im Coming-out sind, bekomme ich viele Reaktionen. Für die bin ich oft der erste Kontakt zu einem anderen homosexuellen Menschen. Aber eigentlich bin ich kein geschulter Coming-out-Berater. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt durch den Verkauf dieser Serien auf Video. So komme ich auf ein Einkommen, das etwas über dem Sozialhilfesatz liegt. Normalerweise kann ich davon gut leben. Aber jetzt muß ich für eine Digitalkamera sparen. Bisher habe ich alles auf Super-VHS gedreht, und das ist nun wirklich rettungslos veraltet.

---------------------------------------------------------------------------------

Transcript eines Interviews mit Andreas Weiß:

(Für seine Diplomarbeit führte Adrian Ortner, Darsteller in Berlin Bohème Staffel 1, folgendes Interview:)

Interview Andreas Weiß. Berlin, 23.2.2001

 

Erzähl einmal wann du angefangen hast Fernsehserien zu machen? Was war die Idee hinter deinen Fernsehserien? Warum hast du angefangen Fernsehserien zu machen und wieso bezeichnest du diese Fernsehserien als schwul -lesbische Fernsehserien...

Gab es zwei Hauptgründe: Der eine Grund war, ich kam nach Berlin 1990 und habe mit ein paar Laienschauspielern eine Theatergruppe gegründet und wir haben fast ein Jahr lang an diesem Stück geprobt, das dann letztlich nie aufgeführt wurde, weil ständig irgendwie nach zwei drei Monaten wie das bei Laienschauspielern so ist, die dann plötzlich keine Lust mehr hatten und dann mussten die Rollen neu besetzt werden und dann musste man mit den Proben quasi von vorne anfangen. Aus dieser Erfahrung haben dann so die Reste dieser Gruppe, die dann nach einem Jahr noch übrig war, das frustriert hingeschmissen und haben gesagt wir müssen einfach irgendwas machen, wo man am Ende des Monats ein Ergebnis hat auf dem man aufbauen kann... und da hat sich einfach das Genre Serie wunderbar angeboten. Weil ich hatte auch schon vorher, bevor ich nach Berlin kam, ein paar kleine Sachen mit Super 8 und auch dann auf Video gemacht und hatte da auch schon ein bisschen was ausprobiert und dachte: OK, dann kann ich auch drehen, es muss nicht auf der Bühne sein es kann auch  Video sein.
Und der zweite Grund eigentlich, was dann danach kam: Serie ja, aber eben ganz stark schwule und lesbische Themen zu nehmen, weil es mich einfach gestört hat, wie Anfang der Neunziger, abgesehen von den doofen Ami-Soaps, also Steven aus Denver, gab es ja kaum schwule Figuren in deutschen Serien oder überhaupt in Serien. Da habe ich also gesagt, wenn dann müssen Schwule rein in diese Serie und die müssen vor allen Dingen auch so dargestellt werden, dass sie nicht diesen üblichen Tucki-Tucki Klischees entsprechen, sondern wirklich so sind wie sie sind. Das waren so die Gründe wieso ich überhaupt angefangen habe Serien und vor allen Dingen auch schwule und lesbische Themen in Serien zu machen.
Dann habe ich die erste Serie gemacht und die hatte in dem Sinne noch kein Dialogskript, sondern nur eine grobe Handlung und dann wurde quasi vorort improvisiert.


Das war Licht und Schatten?


Licht und Schatten, ja. Das war ziemlicher Trash, aber hat großen Spaß gemacht und wir haben sehr, sehr viel ausprobieren können. Ich selber hab auch ganz viele Sachen ausprobiert, weil ich ja vorher zwar praktisch keine Sachen gemacht habe, aber eigentlich diese Erfahrung um mich hatte. Also, das sehe ich sozusagen als meine Lehrzeit diese zwei Jahre, wo ich mir Sachen selber beigebracht hatte: Wie gehe ich mit einer Kamera um? Welche Einstellungen kann man machen? Und, und, und. Ja so technische Details mitzukriegen, mitzukriegen, dass wenn man eine Außenaufnahme dreht und es ist windig, dann hat man halt ein Rauschen im Ton und einfach so Kram rauszufinden, was mir vorher nicht bewusst war. Einfach so learning by doing und das ist dann immer so geblieben, dass ich mit jeder Folge, mit jeder Szene, die ich gemacht habe. Habe ich was neues dazugelernt und habe dann die Erfahrungen verwendet um die neuen Dreharbeiten besser zu machen. Dann nach zwei Jahren und 61 Folgen hatte ich auf diese Art einfach keine Lust mehr... also so ohne Drehbuch so drauf los zu improvisieren. Das hatte sich also sehr totgelaufen und es waren auch viele gute Leute ausgeschieden und es war irgendwie dann so ein Restpotenzial zwar noch da aber dann kamen neue Leute dazu und die hatten dann nach fünf Folgen schon wieder keine Lust mehr und es war einfach alles ziemlich doof. Dann habe ich bei Licht und Schatten einfach einen Schlussstrich gezogen und dann war nach der 61 Folge Schluss. Ohne Abschluss, es gab nur einfach einen Bruch und das war die letzte Folge.
Ich habe mich dann hingesetzt und ein Drehbuch, ein richtiges Dialogdrehbuch geschrieben und das war dann Traumtänzer. Ich habe mir dann auch eine andere Kamera zugelegt, ich habe vorher mit VHS gearbeitet und bin dann auf Super VHS umgestiegen. Was damals ja auch wirklich eine gute Qualität war 94. Wo an digital noch gar nicht zu denken war und habe dann eben Traumtänzer gedreht. Das war am Anfang ein bisschen holprig, weil ich zum Teil wieder mit den Leuten gearbeitet hatte die vorher das Improvisieren gewöhnt waren und jetzt irgendwie Schwierigkeiten hatten mit einem Dialogskript, aber das hat sich dann eingespielt. Dann habe ich ein Jahr lang Traumtänzer gemacht. Da wechselte die Besetzung so teilweise aus. Ich hatte dann aber am Ende von Traumtänzer 94 ein relativ gutes Team zusammen und dieses Team von so etwa zehn Leuten habe ich dann auch geschlossen in die Montagskinder übernommen. Die wesentlichen Montagskinder, also die die wesentlichen Rollen spielen, die waren auch schon bei den letzten Folgen von Traumtänzer dabei. Teilweise auch in sehr ähnlichen Konstellationen. Die Lori Anderson, also Candy Candle, die hat in Montagskinder den Jason als Bruder und den Ted als Ex-Ehemann und bei Traumtänzer war das genau umgekehrt: da war der Darsteller des Ted ihr böser Bruder und der Darsteller des Jason war in TT ihr Ex-Freund. Maya und Lisa waren in TT auch schon ein lesbisches Paar, und Pawel und Erik waren da auch schon ein schwules Paar. Das waren so Konstellationen, die sich schon dreißig Folgen eingespielt hatten. Das machte dann diesen Qualitätssprung dann bei den MK aus. Das also die ersten Folgen der MK relativ gut schon sind, weil die Leute eben zwei, drei, vier Monate zusammen gespielt hatten, zwar in anderen Rollen aber  bei ähnlichen Konstellationen. Deswegen war MK von der ersten Folge an besser als alles was ich vorher gemacht hatte. Weil dieses Team da war, das Team stimmte. Das hat die MK auch das erste halbe Jahr, also 28 Folgen auch wirklich getragen, bis dann nach der 28. Folge Candy Candle ausstieg... da kam dann so ein Bruch, da stiegen vier fünf Leute aus und es kamen ein paar neue dazu, das war ein ziemlicher Bruch und das änderte auch den ganzen Charakter der MK. Diese trashigen Themen und diese abgehalfterte Diva waren jetzt weg und es ging zu realistischen Themen über, also diese ehemalige Theatergruppe, die dann auf die Idee kommt, sie könnte ja eine schwule Zeitung machen und dann wird das alles realistischer. Manche sagen dann, dass das auch langweiliger wäre. Das ist Ansichtssache: ich denke die zweite Staffel hat genauso ihre Qualitäten wie die erste. Sie hat halt von der Umsetzung her einen anderen Charakter.


Dann kamen die Montagsgeschichten und dann Berlin Boheme und dazwischen kam ja noch Von Mann zu Mann.


Nach MK habe ich dann versucht ein schwules Magazin zu machen. Das haben wir auch dann sechs Folgen lang durchgezogen, kam aber nicht an. Die ersten zwei Folgen, nachdem sie im OKB gezeigt wurden, hat dann die schwule Presse, bzw. gar nicht mal die schwule Presse, sondern nur die Siegessäule, hat also vernichtende Kritiken geschrieben, wie immer bei meinen Produktionen. Durch diese vernichtenden Kritiken sind die Leute, die da mitgewirkt haben, also redaktionell oder journalistisch oder als Moderatoren oder was auch immer haben ihre Motivation verloren. Dazu kam noch, dass ich für dieses Magazin ein ganz klares Konzept hatte, also ich wollte nicht irgend so ein Haiti Taiti Party Magazin machen, sondern es sollte immer schwerpunktmäßig sein "Schwul und...". Es gab also das Thema "Schwul und behindert", "Schwul und Ausländer", "Schwul und Aids". Also, so quasi doppelte Diskriminierung, so in diese Richtung. So eine Untergruppe im Rahmen der Schwulen und damit kamen viele teilweise überhaupt nicht mit zurecht, weil das waren dann Themen mit denen die Leute sich überhaupt nicht auseinandergesetzt hatten oder wo sie teilweise Vorurteile hatten, so das ich dachte: "Mein Gott, mit was für Leuten arbeite ich hier zusammen."


Wie hieß das Magazin?


David. Am Anfang gab es ein Team von 12 Leuten. Die sechste Folge hatten wir irgendwie nur noch zu dritt produziert, weil irgendwie alle anderen abgesprungen waren und dann haben wir gesagt OK, jetzt ist Schluss mehr als sechs Folgen machen wir nicht.
Dann habe ich gesagt, Schuster bleib bei deinen Leisten, knüpf da an wo ich erfolgreich war, mach ich eine neue Soap. Habe eben bewusst den Titel gewählt, Montagsgeschichten, um einfach dieses Wort Montag im Titel zu haben, um einmal anzuknüpfen obwohl es eine völlig neue Story war und gar nichts mehr mit MK zu tun hatte um einfach irgendwie an das Thema anzuknüpfen, an den Markennamen MK anzuknüpfen und natürlich auch bewusst, was ja heute immer wieder passiert, diese Verwechslung zu provozieren, dass die Leute einfach die beiden Serien durcheinander schmeißen. Von irgendeinem reden und dann eigentlich wen aus der anderen Serie meinen, das passiert immer wieder und dadurch ist es im Gespräch, das ist schon bewusst so gemacht. Der wesentliche Unterschied zwischen MK und MG ist eigentlich, dass MK noch sehr gemischt war. Da waren sehr, sehr viele Frauen dabei und es gab ja auch das lesbische Paar und es gab ja auch ein, zwei heterosexuelle Männer oder Rollen. Bei MG war es dann so, dass bis auf zwei Frauen und einige Gastdarstellerinnen, eigentlich nur schwule Männer als Hauptfiguren da waren. Das war der Unterschied, dass man 12, 13 schwule Männer hatte, die da im Mittelpunkt stehen, die alle unterschiedlich waren und wo ich so auch zeigen konnte schwul heißt nicht so ein bestimmtes Klischee zu erfüllen, sondern hat ganz unterschiedliche Charaktere. Das fängt also an bei dem Klemmer über den Spießer über die Tunte bis hin zu dem irgendwie Proleten mit teilweise sehr rechten Tendenzen und die sind alle schwul. Aber ansonsten ist das ein Querschnitt der Gesellschaft, wie du ihn überall findest. Das war mir irgendwie ein Anliegen, das zu machen. Dass du dann da nicht so drei, vier bestimmte Stereotypen hast, die dann die schwule Richtung verkörpern sondern, dass du wirklich aus jedem Bevölkerungsgrad oder jedem Bildungsgrad Leute hast die dann eben schwul sind, aber das ist auch das einzige was sie gemeinsam haben. Das war sehr spannend, das hat großen Spaß gemacht. Da hat sich also auch wieder ganz schnell herauskristallisiert... ich hatte die Serie auf Dauer angelegt und wollte auch mehr Folgen machen, aber nach 25 Folgen hatte sich herauskristallisiert, dass wesentliche Leute nach fünf Monaten Drehzeit die Lust verlieren. Dann habe ich gesagt nach dreißig Folgen da machen wir den Bruch und machen nicht wie geplant 50 Folgen... das war dann auch OK. Das war dann erstaunlicherweise die Serie die auf Video am besten vertrieben wurde, weil es eben diese rein schwule Produktion war. Während die bekannteste ist immer noch die MK, obwohl sie mir finanziell nicht so viel gebracht hat.
Dann habe ich eine Pause von ein paar Monaten gemacht und dann im Dezember 98, ich mache meine Produktionen irgendwie immer im Winter... bin also ein Winterkind. Da kann ich am besten arbeiten. Dann habe ich 98 diese Erotikserie gemacht Von Mann zu Mann, die war eigentlich auch länger konzipiert. Die war eben so konzipiert, dass man ein bisschen weiter geht, dass man eben wagt schwule Erotik im Fernsehen eben so in der Art wie das in diesen billigen Erotikfilmen ja Gang und Gäbe ist, dass du da irgendwie die halbe Handlung hast und der Rest sind irgendwelche Erotikszenen gefilmt. So krass wollte ich das natürlich nicht machen, ich habe schon irgendwie geguckt, dass ich in einer dreißigminütigen Folge zwei Clips a drei Minuten habe, dass ein Fünftel der Handlung Erotik ist. Aber dennoch gab es in dieser Erotikserie immer wieder Aufregung, auch gerade mit den Mitwirkenden, die dann teilweise doch nicht so weit gehen wollten oder dann plötzlich Probleme hatten sich auszuziehen, obwohl das bei dem Casting und vorher alles ganz klar war. Einige gute Leute sind dann auch weggezogen und einer hatte dann einen neuen Job und hatte keine Zeit mehr. Dann habe ich also nur 12 Folgen gedreht, obwohl es viel länger geplant war. Hat mir auch großen Spaß gemacht, aber ich weiß, dass wenn ich es wieder machen würde, dann würde ich es nur mit Leuten machen, wo ich ganz klar und eindeutig weiß sie haben kein Problem damit eine Erotikszene zu spielen, weil das war im Endeffekt der Knackpunkt, dass ich zwar in den letzten Folgen einen Rattenschwanz an Mitwirkenden hatte, aber dass ein Großteil von diesen Mitwirkenden sich nicht ausziehen wollte. Das hieß ich musste die Erotikszenen doch wieder auf drei oder vier Leute beschränken. Das war dann irgendwann langweilig, das fand ich auch schade, weil man hätte mehr daraus machen können. Es gab auch Erotikszenen, wo es wirklich zwischen den Leuten geknistert hat, wenn ich da nicht gesessen hätte mit meiner Kamera, dann weiß ich nicht, was da passiert wäre. Genauso gut gab es auch Erotikszenen, wo sich die Leute auf den Tod nicht leiden konnten und irgendwie so diese Szene da krampfig machten und ich dann irgendwie mit Schnitt und Nachvertonung und Musik da rausholen musste was ich rausholen konnte. Erstaunlicherweise gerade bei einer Szene, wo sich die Typen überhaupt nicht abkonnten ist diese Erotikszene besonders gut geworden.


Welche Szene war das?


Die in der dritten Folge mit dem Axl und dem... wie hieß denn der andere? Die beiden konnten sich überhaupt nicht ab, aber na gut den Axl konnte ja niemand leiden, das war also ganz schlimm. Die Szene ist wirklich nicht schlecht geworden, gerade mit diesem leichtroten Ton und dieser Musik. Vor dieser Spiegelwand diese Gegenschnitte, das wirkte sehr gut, das merkst du der Szene nicht an, dass die sich überhaupt nicht leiden können.
99 habe ich Pause gemacht und nur im Februar die Dokumentation gemacht, wo ich also ziemlich viele Leute von den MK und auch von den MG nachträglich vor die Kamera geholt habe zu einem Interview.


Was war das für eine Dokumentation?


Da habe ich die Leute im Nachhinein von ihren Erfahrungen berichten lassen. Warum sie mitgewirkt haben, wie die Dreharbeiten für sie waren, was für Erinnerungen sie hatten, was ihnen Spaß gemacht hat, was ihnen das gebracht hat. Solche Fragen haben sie beantwortet, wo ich mich auch bewusst mit Kommentaren zurückgehalten habe. Das kam mir dann wieder zugute, das hat mir dann wieder gezeigt: Dieses gute Team von MK. Fast alle aus diesem guten Team waren dann auch bei der Dokumentation dabei. Während bei den MG, hatte ich von den wesentlichen Hauptfiguren, die sich im Nachhinein distanziert haben und die eben nicht bereit waren zu einem Interview zu erscheinen. Das heißt ich hatte in dieser Dokumentation, vor allem bezogen auf die MG, in erster Linie die kleineren Hauptrollen bzw. die Nebenrollen, während von den MK die wesentlichen dabei sind. Candy, Pawel, Lisa, Erik, die sind alle dabei. Aber bei MG Fehlen einfach die wesentlichen Darsteller. Die wollten einfach kein Interview geben. Ich habe mehrmals gefragt: aber entweder es wurde herumgedruckst oder es hat sich keiner zurückgemeldet oder haben mir knallhart gesagt: Nein damit will ich nichts mehr zu tun haben. Also, einige Leute hatten auch im Nachhinein ein Problem damit. In einem Fall gab es eine Erotikszene, die beim Drehen sehr schön war und auch bei der Premiere bei den Mitwirkenden sehr gut ankam, aber dann hat dieser Mensch dummerweise seinem sehr eifersüchtigen Freund diese Szene gezeigt und hatte von da an die Hölle auf Erden, so nach dem Motto: Wie kannst du so was machen und blah. Nachdem die Folge fertig war kam er an und fragte mich ob ich diese Szene nicht rausschneiden könne. Da habe ich gesagt: Tut mir leid, das geht nicht. Ich kann nicht aus meinem fertigen Sendeband plötzlich eine Szene rausschneiden, dann wäre eine Lücke drin. Das war nicht möglich aufgrund meiner Schnitttechnik. Ich hätte natürlich für die Sendeausstrahlung aus dem Band was rausnehmen können. Aber das wollte ich nicht machen, ich fand die Szene sehr schön. Das war diese eine Dreierszene aus den MG. Die anderen Beiden, die da mitgespielt haben, fanden die auch schön und hatten keine Probleme damit und warum sollte ich dann nur weil der eifersüchtige Freund von einem der Mitwirkenden da ein Problem hat und deswegen da die Szene rauszunehmen und deswegen war dann dieser Darsteller irgendwie sauer und hat mir dann deswegen dieses Interview dann verweigert. Das fand ich dann sehr schade. Das war die Dokumentation, dann habe ich wieder Pause gemacht. Dann war wieder Winter. November oder Dezember... wieder Steinbockzeit. Da habe ich dann Berlin Boheme gedreht. Das war dann das besondere als Unterschied zu meinen bisherigen Produktionen. Ich versuche ja immer Sachen zu machen, die ich in diesem Sinne nicht gemacht habe, dass eben alles in einem Raum spielt und in Echtzeit spielt. Es gibt keine Zeitsprünge, keine Ortswechsel, so das man das Drehbuch nehmen könnte und das als Theaterstück aufführen könnte. Das war eben das besondere bei Berlin Boheme, dass man sehr eingeschränkt war dadurch, dass man nur einen Raum hatte, was aber dem Ganzen eine bestimmte Qualität gab, von Kammerspiel, was es im deutschen Fernsehen kaum mehr gibt. Die fand ich immer, wenn sie gut gemacht waren sehr interessant. Weil man alles auf einen Raum beschränkt und die ganze Handlung in den Raum getragen werden muss. An sich die Mittel des klassischen Dramas, dass die Außenwelt durch Boten hereingetragen wird. Das jemand hereinkommt und etwas erzählt. Telephon klingelt ja sehr selten in der Serie. Die Serie war von vornherein aufgrund meiner Erfahrungen auf kurzen Zeitraum angelegt. Statt der geplanten 12 sind es dann 11 Folgen geworden, aber ich denke das war dann auch OK. Da war eben auch die Herausforderung, dass wir eben relativ chronologisch bis auf wenige Ausnahmen gedreht haben. Das also die Darsteller die ganze Handlung in der richtigen Reihenfolge nachspielen. Das gibt sehr viel für die Darstellungsweise, wenn man das irgendwie chronologisch abdreht. Das bringt eher was, als wenn man kreuz und quer dreht und hinterher wird es irgendwie zusammengestückelt, dann hat man diese Emotion in Erinnerung. Dann denkt man in dieser Szene war ich so und so und das wende ich jetzt wieder an. Das ist schon eine andere Arbeitsweise. Dadurch waren es auch relativ lange, intensive Drehtage. Es gab auch viele Drehtage, wo die Leute dabei aber dann nichts zu tun hatten. Das war natürlich wegen der Produktionsweise, bei den anderen Serien war das so, dass die Szenen von gewissen Hauptfiguren an einem Tag gedreht wurden. Bei BB waren alle Hauptfiguren bei fast jedem Drehtag dabei. Das ist eine ganz andere zeitliche Beanspruchung, was auch dazu geführt hat, dass gar nicht mehr als drei Folgen im Monat gedreht werden konnten. Zum Vergleich: Bei MK habe ich sechs Folgen im gleichen Zeitraum gedreht.


[...]


Wie werden deine Serien eigentlich vertrieben? Wie finanzierst du eigentlich die Produktion deiner Serien?


Finanziert werden sie von mir. Quasi eine Vorfinanzierung. Wobei, bei dieser Finanzierung halt nur gerechnet werden kann, das Material. Das heißt ich zahle die Videokassetten und so alles was man dazu braucht, die Kopien vom Drehbuch, die gesamten Materialkosten, die trage ich. Das sind einmal die Produktionskosten mit denen ich rechne. Ich selber arbeite de facto umsonst, die Mitwirkenden arbeiten auch umsonst. Die Drehorte, alles, kriegen wir auch umsonst. Also, es sind ja meistens Wohnungen von den Mitwirkenden. Manchmal sind es ja Außenaufnahmen oder Aufnahmen von irgendwelchen öffentlichen Räumen, aber zu 90 % sind es ja wirklich Wohnungen. Das sind ja auch meistens wirklich Wohnungen von den Leuten die da mitspielen, die dann quasi in der eigenen Wohnung drehen. Die Kosten die eben anfallen sind eben Material, die werden von mir vorfinanziert. Anschließend, wenn die Serie fertig ist versuche ich irgendwie Werbung dafür zu machen, indem ich an irgendwelche Zeitungen Demobänder schicke und hoffe, dass die Artikel drüber schreiben usw. Seit neuestem mache ich im Internet Werbung dafür mache und dann hoffe, dass eben Leute das interessant finden und sich das dann auf Video bestellen. Und dadurch habe ich dann so geringe Einnahmen. Also, ich habe es bislang bei all meinen Serien geschafft... toi, toi, toi... dass ich zumindest diese Produktionskosten wieder drin hatte und auch einen Gewinn hatte. Es gab Serien bei denen ich relativ viel Gewinn gemacht hatte, wie MG. Das lag aber dann daran, dass es dann wirklich zwei, drei gute Presseartikel gab. Also, das ist wirklich das A und O, und dass ich bei MG auch ein wirklich sehr durchschlagendes Photo hatte. Ich hatte also zwei Photos: ein Gruppenphoto von den 12, 13 männlichen Hauptdarstellern, wo sie alle so schön, wie auf einem Familienphoto stehen. Das zweite Photo, wo sie auch so stehen, aber nichts mehr anhaben. Sie waren halt so postiert, dass man die Männlichkeit nicht gesehen hat, das war alles schön verdeckt. Aber das hat es dann interessant gemacht, so dass dann viele Zeitungen beide Photos so als Kontrast nebeneinander abgedruckt haben. Das hat ein ganz großes Feedback auch gebracht und dadurch haben sich die MG auch ganz gut verkauft. Diese Photos wurden dann auch in der "Männer aktuell" und in der "Adam" abgedruckt, das hat ganz viele Leute angesprochen. Also, das ist auch immer so ein A und O, was für eine Kampagne da drum gemacht wird. 

[...]



Du bezeichnest deine Serien als schwul-lesbische Fernsehserien. Wie definierst du eine schwul-lesbische Fernsehserie?


Erst mal ist es eine Fernsehserie, wie viele andere auch. Aber ich glaube, dass der Anteil an schwulen und lesbischen Themen einfach größer ist. Was auch ganz klar ist, weil frag mal einen Schwulen nach dessen Bekanntenkreis. Jetzt nicht irgendwie einsame Werft auf dem flachen Land, sondern in einer mittleren oder größeren Stadt. Frag einen Schwulen oder eine Lesbe nach dem Bekanntenkreis. Der Bekanntenkreis wird zu einem Großteil auch schwul und lesbisch sein, das ist einfach so. Nicht alle, aber einfach ein Großteil, weil man kennt sich. Und diese Lebenswirklichkeit wird in anderen Fernsehserien einfach nicht dargestellt. Da gibt es dann zwar ein schwules Paar, aber außer diesem schwulen Paar gibt es keine anderen schwulen Figuren. Höchstens mal irgendwelche Statisten, die dann einmal da sind. Aber es wird keine schwule Lebenswirklichkeit dargestellt. Diese Wirklichkeit ist ja nicht so, dass die als glückliche Zweierbeziehung aufeinander beschränkt sind. Das ist der wesentliche Unterschied, dass ich so viele unterschiedliche schwule und lesbische Charaktere habe, dass es ein Stück mehr der Lebensrealität von Schwulen und Lesben näher kommt, als wirklich in anderen Serien, wo du nur ein Vorzeigepärchen hast. Oder sogar manchmal nur eine Figur und die andere ist dann manchmal sogar wieder zwischendurch heterosexuell und wird dann wieder gebrochen oder sonst was. Und das ist der wesentliche Unterschied, warum meine Sachen wirklich schwul-lesbische Fernsehserien sind, weil sie die Lebenswirklichkeit darstellen, die sonst vielleicht in irgendeinem netten Spielfilm dargestellt werden. Aber in Serie für ein Massenpublikum, in dem Sinne, noch nicht gibt. Und ich denke die Zeit ist einfach auch reif dafür. Die deutschen Kabelsender trauen sich noch nicht, aber eigentlich ist die Zeit reif dafür, wie man in England mit Queer as Folk gesehen hat. Gerade weil es auch viele Proteste gab und gerade weil auch viele sagten: "Scheiß schwule Serie" und so, gerade deswegen hat es ja auch so einen Erfolg gehabt, sonst hätten sie ja nicht noch einen Vierteiler, ruck-zuck, drangehangen.


Was denkst du von QAF, wie siehst du die Serie?


Ich habe nur die ersten vier Folgen gesehen. Prinzipiell finde ich gut, dass es das gibt aber wenn ich es mit meinen Serien vergleiche haben die nichts anderes gemacht. Klar sie hatten bessere Qualität, die hatten mehr Geld, die konnten schnelle tolle Effekte machen und Szenen in der Disko und mit vielen Statisten und alles Mögliche. Aber so von der Thematik her, so unterschiedliche schwule Charaktere, die sie aufeinanderprallen lassen. Dazu noch so ein paar Reizthemen, so wie der eine der noch minderjährig sein soll. Man sieht ihm das zwar an, dass er fast 20 ist, aber er soll halt minderjährig sein in der Handlung. Hier und da eine nette Erotikszene in der Handlung drin. Das war alles schön gemacht, aber es war im Endeffekt das was ich seit zehn Jahren mache. Ich fand die Serie nett, aber sie hat mich nicht so vom Hocker gerissen. Es war für mich nicht so was umwerfend neues. Klar für alle anderen schon, weil gab es im Profifernsehen noch nicht. Ich kann es natürlich nicht sagen, aber ein Jahr bevor QAF gedreht wurde kam ein englisches Fernsehteam zu mir, auch eben von Channel 4 und hat eben über meine Serie MG einen kleinen Bericht gemacht. Ein paar Ausschnitte gemacht, ein paar Interviews. Einen locker, flockigen, witzigen Bericht. Der lief in einem sehr populären Magazin auf Channel 4, dem Eurotrash. Vielleicht ist da irgendwer bei Channel 4 auf die Idee gekommen, Hoppla das könnte man ja mal machen. Also, ich könnte es mir vorstellen, da es da einen Zusammenhang gibt. Ich könnte es nicht beweisen, aber sicherlich hat sich da jemand die Anregung geholt und hat gehört das könnte eine Marktlücke sein.


Richtest du dich an ein spezifisches Publikum mit deinen Serien?


Ich richte mich natürlich an Schwule und Lesben, ansonsten richte ich mich an den Serienfan. An Leute, die sich für Serien interessieren und auch an Leute, die mal eine andere Serie sehen wollen, als die übliche Serie. Auch an Leute, die mal Lust haben eine kleine Erotikszene zu sehen. Oder auch mal einen nackten Mann, wirklich völlig nackt zu sehen. In den üblichen Serien hört es ja bei den Männern am Bauchnabel und bei den Frauen über der Brust auf. Oder sie steigen nach dem geilen Sex in der Unterwäsche aus dem Bett, also das muss auch sehr schön gewesen sein. Es richtet sich schon an Leute, die damit kein Problem haben, die Lust haben was anderes zu sehen. Ich kriege auch des Öfteren Resonanzen von heterosexuellen Zuschauern, sehr oft von Frauen, die sagen "ja finde ich gut und da sieht man nackte Männer". Oder gerade wenn ich spezielle Reizthemen hatte, wenn es dann eine angedeutete SM-Beziehung gab, wo der eine Maso (Masochist) war und dann es eben geil fand sich quälen und schlagen zu lassen. Dass dieser Darsteller eben auch ganz oft angesprochen wurde und zwar nicht von irgendwelchen anderen Schwulen in der Szene, sondern wie er mir erzählt hat von einer total spießig aussehenden Frau auf dem U-Bhf. Mit Kind. Die hat er Kind weggeschickt und hat gemeint "ja find ich toll, mein Mann steht da auch darauf, machen sie mal weiter so". Also, es haben Leute wirklich offensichtlich das Bedürfnis, mindestens einen Teil ihrer Lebensrealität widergespiegelt zu sehen und nicht nur irgendwie dieses wie in den üblichen Seifenopern. Was ist denn die typische schwule Karriere in einer Seifenoper: Typ verliebt sich in einen anderen. Der ist zurzeit noch hetero- oder bisexuell, wird dann irgendwann schwul. Dann hat er Probleme mit seinem Coming-Out. Dann haben sie eventuell mal eine zeitlang Angst vor Aids und der eine kriegt es vielleicht oder vielleicht auch nicht. Und anschließend dürfen sie dann sterben oder nach Australien verreisen. Das ist die Karriere und dann ist das schwule Thema abgegessen. Und das hat nicht wirklich so viel mit der schwulen Lebenswirklichkeit zu tun.


Also war es dir auch ein Bedürfnis das so im Fernsehen zu sehen irgendwo...


Also, es wäre mir früher, als ich so... Ich habe sehr lange für mein Coming-Out selber gebraucht und um selber mit mir klar zu kommen. Und da haben mir sagen wir mal Vorbilder oder realistische Darstellungen gefehlt. Damals gab es wirklich nur Steven aus Denver-Clan. Und das wirklich so eine verkorkste, absurde Figur, die immer je nachdem wie gerade der Wind in Amerika wehte, dann wieder hetero wurde oder dann wieder heiraten durfte... Da gab es in dem Sinn kein Vorbild, das fehlte. Ich denke auch das mir das schneller gezeigt hätte: Ich bin nicht der einzige Schwule auf dieser Welt. Womit man sich dann als Jugendlicher eigentlich auch rumplagt. Keine Ansprechpartner, gar nichts. Dann ist man praktisch gezwungen mit sich selber zu Recht zukommen, in einer Stadt mit 50000 Einwohnern, das ging noch. Schlimmer geht’s denen, die aus einem Dorf mit 300 kommen. Aber letztlich gab es da keine schwule Kneipe. Es gab eine Kneipe, wo man eben hinter vorgehaltener Hand munkelte, dass der Besitzer schwul ist. Aber ansonsten gab es da keinen schwulen Treffpunkt, nichts und das gibt es bis heute nicht. Man muss dann immer 20 km in die nächste größere Stadt fahren, um dann ein oder zwei schwule Läden zu haben und das sind dann auch die absolut doofen Spießerläden. Da bin ich auch ganz froh, weil da im offenen Kanal Wolfenbüttel und Braunschweig laufen meine Sendungen jetzt. Also, wenn da jetzt Leute sind, die in der Situation sind, in der ich vor 20 Jahren war. Die haben zumindest, wenn sie den offenen Kanal sehen können und wissen, dass das läuft, einen ganz anderen Umgang mit. Wenn das schon im Fernsehen kommt, dann ist es einfach ein Stück Normalität. Da hat sich natürlich zugegeben in den letzten Jahren sehr viel geändert, weil es die Fernsehsender, so als schmückendes Modethema auch entdeckt haben. Das hat natürlich ein bisschen zur Normalität beigetragen. Aber es ist halt immer noch Beiwerk, es ist Schmuck und so ein bisschen Kitzel. So tun wir mal was für die Randgruppen, aber es ist noch keine Motivation dahinter. Eigentlich müsste das von den öffentlich Rechtlichen kommen. Bei den Privaten erwarte ich das noch nicht einmal, weil da weiß man ganz genau, dass die nur auf Quote machen. Aber bei den öffentlich Rechtlichen erwarte ich das eigentlich. Da müsste es eigentlich kommen, weil die sind ja in dem Sinne als Minderheitenprogramme konzipiert worden und die erfüllen ja ihren Auftrag heute gar nicht mehr. Die sind ja nix anderes als Konkurrenz für ARD und ZDF. Die haben tagsüber ein bisschen Schulfernsehen um da irgendwie einen Pseudoauftrag zu erfüllen aber letztlich abends haben sie genauso ein Vollprogramm mit irgendwelchen komischen zigmal gezeigten Spielfilmen und schlechten Serien, wie ARD und ZDF auch. Die Bedeutung des dritten Programms als Minderheitensender, als Lokalsender ist nicht mehr gegeben. (...)